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Andruchowytsch-Woche bei romkablog

Mitten in der Begeisterung über den neuen Roman „Zwölf Ringe“ (Дванадц?ть обручів), in der Jackentasche — für die Straßenbahn — noch den schmalen Band „Das letzte Territorium“, unausgelesen, genau wie der Originalroman Rekreazija, bei dessen unterschwelligem Humor ich leider aufgeben mußte, bin ich Jurij Andruchowytsch auf der Spur.

Ausgerechnet im Mai, wenn ich vermutlich noch in Uschhorod den Duft der blühenden Sakuras in der Nase habe, oder auf dem Maidan in Kyjiw zu Rasom nas bahatotanze, ist Jurij Andruchowytsch in Köln und liest im Literaturhaus aus seinem neuen Roman.

Ich habe mich derweil mit seiner Biographie befasst, die in einem Bogen vom Journalismus zur Poesie, dann zur Prosa und wieder zurück zur Poesie reicht. Hier ist das Ergebnis: Jurij Andruchowytsch in der Wikipedia. Während des Schreibens habe ich bei poetryinternational.org noch ein Gedicht von 2003 gefunden:

Бібліотека

ми шукаємо щонайточніших знань
драбинами ?ходимо на вищі поверхи книгозбірні
нишпоримо по ?телажах ?пільно з павуками
здіймаючи крейд?ні хмари під ?телею
мов на вершині ?трімкої вежі
чуємо?ь? повітр?ними гімна?тами
аж забиває дух і ледве
втремуєм рівновагу
поринаємо внайтовщі томи без надії коли?ь вибрати?ь?
книги поглинають на? ?к мор?
хапаємо?ь руками за різьблені ви?тупи
??к-так тримаємо?ь на поверхні і коли вже цілком підупадем на ?илі
за?апані об?ипані шкукатуркою
здаєть?? знаходемо
в гущавині ?ап’?нів та коленкорів притуене до ?тіни
легке і тепле
гніздо
вуличної ла?тівки

Hier die deutsche Übersetzung, ein Versuch:

Bibliothek

Auf der Suche nach dem allergenauesten Wissen
klettern wir Leitern hinauf in die höchsten Bücherregale
und krabbeln neben den Spinnen die Bretter entlang
dabei Wolken von Staub aufwirbelnd
der sich nahe der Decke gesammelt hat.
Wie Trapezartisten
halten wir die Luft an und verlieren
fast das Gleichgewicht
beim Eintauchen in die dicksten Bände, ohne Hoffnung jemals wieder hinauszufinden.
Bücher verschlucken uns wie die See
unsere Hände krallen sich fest an geschnitzten Kanten
gerade so eben halten wir uns oben, und mit allerletzter Kraft,
atemlos und übersät mit bröckelndem Putz
finden wir scheinbar
verborgen in einem Dickicht von ledernen Einbänden, an die Wand gedrückt
das kleine, warme
Nest
einer gewöhnlichen Schwalbe

von elya, 31.03.05

Jungs in Uschhorod „Aber zurück zu dem Bild, das mir nicht aus dem Kopf geht: der kleine Junge, versunken in die Betrachtung des Flusses. Da drüben beginnt die Neue Welt.“
(Jurij Andruchowytsch, Mein Europa)