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Die Motivation hinter romkablog

Die letzten 14 Jahre waren in der Ukraine ein einziger Rückzug ins Private. Freunde heirateten, Kinder wurden groß, Menschen starben. Trinksprüche sprachen von Gesundheit, Wohlstand, Gott. All das war, wie Kiew, weit entfernt — welche Wahl haben wir schon? Besser wird es sowieso nicht.

Im Herbst 2004 wurde es plötzlich anders. Als ich kurz vor der Präsidentenwahl aus Uschhorod nach Köln zurückkam, war ich immer noch erfüllt von der plötzlichen Politisierung der Gesellschaft. Über Jahre passive Intellektuelle klebten plötzlich nachts Wahlplakate. Ewig grummelig-schweigsame Taxifahrer schimpften plötzlich lautstark über „die Macht“. Die Provinz vibrierte.

Und dann passierte, was wir alle als die „Orangene Revolution“ im Fernsehen gesehen haben, bevor die Flut die Bilder wieder aus unserem Bewußtsein wegschwemmte. Was war? Ein Presseclub am Sonntag, eine Bundestagssitzung, EU-Vermittler. Analysen, gute Wünsche.

Und jetzt?

Ich beginne heute und hier den Versuch, die Details nicht mehr aus dem Auge zu verlieren. Alltägliches, Politisches, Gebloggtes, Gedrucktes, Gesehenes, Gehörtes und Erzähltes aus der Ukraine soll hier festgehalten werden.

Der Illusion, daß jetzt alles sofort besser wird, gebe ich mich nicht hin. Die Hoffnung, daß der Ruck, der hier durch die Gesellschaft ging, anhält, die Hoffnung, daß sich tatsächlich — Schritt für Schritt — etwas verändert, die gebe ich nicht auf. Schon für Romka.

Romka wird bald zehn. Er tanzt auf Turnieren Foxtrot und Jive, singt seiner kleinen Schwester Schlaflieder, lernt in der Schule Englisch und sitzt viel zu viel vor der Glotze. Er ist altklug und verwöhnt und verliert gerade seine letzten Milchzähne. Er haßt Hausaufgaben und liebt sein Lego. Auf der Straße fährt er gerne Skateboard und spielt gelegentlich „Tschetschenischer Terrorist“.

Ihm widme ich dieses Weblog.

von elya, 6.01.05
http://romkablog.visuelya.de/trackback.php?id=8

Jungs in Uschhorod „Aber zurück zu dem Bild, das mir nicht aus dem Kopf geht: der kleine Junge, versunken in die Betrachtung des Flusses. Da drüben beginnt die Neue Welt.“
(Jurij Andruchowytsch, Mein Europa)