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Andruchowytsch in Köln

Das war der krönende Abschluß gestern abend nach dem Reise-Chaos: Um 19:45 Uhr war ich zu Hause, und um 20:00 Uhr begann die Lesung von Jurij Andruchowytsch im Literaturhaus. Um halb neun war ich dort. Seit Wochen schleppe ich seine Texte mit mir rum, und seine Essays und Gedichte begleiteten mich durch die Ukraine, besonders auf der Reise nach Iwano-Frankiwsk mit Oxana. Ich hatte mir fest vorgenommen, mich mit ihm wenigstens kurz zu unterhalten, falls ich es zu der Lesung noch schaffen sollte.

Als ich um halb neun, mit dem Fahrrad zum Mediapark, nur ganz leicht abgehetzt und mit frischem T-Shirt, in die Lesung kam, ging es — wer hätte das gedacht? — um die Visa-Affäre. Vorher vermutlich um die Orangene Revolution.

Erst nach dem Interview las er aus seinem im März auf Deutsch erschienenen Roman „Zwölf Ringe“. Andruchowytschs Leidenschaft für den Dichter Bohdan Ihor Antonytsch zieht sich in Bildern durch den ganzen Roman. Das erste Kapitel erzählt in Briefen von einem Österreicher, der in den 90er Jahren regelmäßig in die Ukraine reist — in jeder dritten Zeile glaubte ich mich wiederzuerkennen. Die Frage, ob es ein politischer Roman sei, antwortete Andruchowytsch, daß der Optimismus des Buches eher persönlicher Natur sei.

Ich habe den Roman Anfang 2003 abgeschlossen, und niemand hätte damals gedacht, daß in der Ukraine einmal so etwas wunderschönes wie die 16 Tage im November/Dezember letzten Jahres passieren würde (aus dem Gedächtnis zitiert)

Immerhin hat es anschließend auch mit einem kurzen Gespräch beim Signieren geklappt, allerdings mußte ich mich nach dem chaotischen Tag so auf mein allerschönstes, dialektfreies Ukrainisch konzentrieren, daß ich kaum eine intelligente Frage gestellt haben dürfte, sondern nur von Iwano-Frankiwsk schwärmte… Doch, es war eine Unterhaltung. Andruchowytsch spricht hervorragend deutsch, aber das mit dem Ukrainisch wollte ich mir nicht nehmen lassen, und das Iwano-Frankiwsker Ukrainisch klingt einfach wunderschön. Leider hat meine Kraft gestern abend nicht mehr gereicht, um ihn zu einem Bier einzuladen, vielleicht ein anderes Mal?

von elya, 24.05.05
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Jungs in Uschhorod „Aber zurück zu dem Bild, das mir nicht aus dem Kopf geht: der kleine Junge, versunken in die Betrachtung des Flusses. Da drüben beginnt die Neue Welt.“
(Jurij Andruchowytsch, Mein Europa)