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Romantik und Kreuzschmerzen


Es schien unter allen Übernachtungsvarianten die unkomplizierteste zu sein
und ich war noch nicht mal die Älteste im PORA-Eurocamp 2005. Morgens, mit krachender Wirbelsäule und vor dem ersten Kaffee ist von der Pfadfinderromatik allerdings nicht mehr viel übrig…

Die Studentinnen und Studenten hatten mal wieder eine Woche Uni Uni sein lassen und dafür auf der Truchaniw-Insel das Eurocamp 2005 organisiert. Wachleute, Medizinische Notfallversorgung, Pressezentrum, ein eigenes Rahmenrogramm, bei dem auch Ruslana auftrat – nur auf den Ansturm ausgerechnet am letzten Tag der Woche waren sie nicht so recht gefasst. Bei der Organisation griff man auf die Erfahrungen der Revolution zurück, und Orange war überall präsent.

Pfadfinderromantik...Bis alle Formalitäten erledigt waren, verging einige Zeit, aber dann hatte ich dann auch mein Komplettpaket, mit eingeschweissten Foto-Ausweis, orangefarbenem Halstuch, Anstecker und Isomatte. Frühstück inklusive, Dolmetscher, die ganz scharf drauf waren, mit mir zu sprechen (ich mußte mich richtig anstrengen, wieder auf deutsch umzuschalten), nächste Woche sind immerhin Examen.

Die Massen strömten tatsächlich den ganzen Tag über die Fußgängerbrücke auf die Insel, und ich wäre gerne die Woche über dagewesen, um mehr von der Stimmung mitzubekommen, auch wenn ich vorher etwas skeptisch war, ob hier nicht Miss Eurocamp?künstliche Revolutionsromantik für Touristen nachgebaut wurde. Indes nutzten vor allem junge Menschen aus der Ukrainen, Belarus und Russland die Gelegenheit für eine preiswerte Übernachtung – die Hotelpreise in Kyjiw waren zur Eurovision unbezahlbar geworden.

Als ich nachts um zwei mit wunden Füßen über die Brücke zurück zum Zelt taumelte, war ich noch ziemlich allein im Zelt – der Tanz auf dem Maidan war noch lange nicht beendet. Zwischen denen, die spät in den Schlafsack krochen, und denen, die morgens sehr früh Richtung Bahnhof mußten, war sogar ein paar Stunden Schlaf drin. Ein wenig in Verwirrung stürzte mich allerdings ein illegaler „Mitschläfer“, der, nachdem ich eigentlich schon allein im Zelt war, immer noch selig vor sich hin schnarchte… zwischen den beiden Zeltwänden hatte es sich ein junger Hund gemütlich gemacht und schlief tief und fest.

Rezeption Pora Eurocamp 2005
Rezeptionszelt mit Internetanschluss, Kaffeeautomat und Ladestation für Handy- und Kameraakkus.

Stanislaw aus Dnipropetrowsk und seine Enkelin
Stanislaw, Fotograf und Aktivist aus Dnipropetrowsk, begleitete seine Tochter und Enkelin für einen Tag nach Kyjiw. Morgens waren sie die ersten, die abreisten.

von elya, 22.05.05
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Jungs in Uschhorod „Aber zurück zu dem Bild, das mir nicht aus dem Kopf geht: der kleine Junge, versunken in die Betrachtung des Flusses. Da drüben beginnt die Neue Welt.“
(Jurij Andruchowytsch, Mein Europa)