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Transkarpatien unter Wasser

Als wir gestern spätabends mit dem Kleinbus aus Galizien zurückkamen, ging es hinter Mukatschewo los: zunaechst Wetterleuchten, dann begann es wie aus Eimern zu regnen. Etwa mit Tempo 50, weil die Scheibenwischer es nicht mehr packten, erreichten wir nach einer Ewigkeit Uschhorod.

Vor der ziemlich tiefliegenden Bahnunterführung gab es eine kleine Diskussion zwischen den Fahrern, und schließlich wagten sie es und fuhren mit dem Mercedes-Bus, der allerdings doch recht kleine Reifen hatte, rein.

Überschwemmung im SammeltaxiDas Wasser war etwa einen halben Meter tief, wenn nicht mehr. Der Motor soff ab, draußen regnete es in Strömen, und ich sah uns schon mit hochgekrempelten Hosen durch die knietiefe Brühe waten, auf der Suche nach einem Taxi. Einige Minuten vergingen, und entgegen meiner üblichen Tendenz war ich ziemlich pessimistisch, daß sie die Kiste wieder gestartet bekommen würden. Ich kramte schon mal den Rucksack unter dem Sitz hervor – in diesem Moment wurde mir klar, daß das Wasser schon im Fahrzeug war, der Rucksack durchnäßt, das Wasser schoss knöchelhoch von hinten in das Businnere. Wir waren nur noch vier Passagiere und sammelten uns ziemlich beklommen auf den vorderen Sitzen, ich erst mal panisch die Kamera aus dem Rucksack ziehend…

SchlammbeseitigungVon der anderen Seite schoss ein mutiger PKW in die Unterfuehrung, das Wasser locker auf halber Höhe des Fahrzeugs, und der Fahrer setzte geistesgegenwaertig zurueck – schaffte es so grade wieder heraus.

Schließlich klappte es: Der Motor sprang wieder an, und langsam bewegte sich der Bus raus Richtung Busbahnhof, nur noch ein paar hundert Meter. Als das Wasser beim Losfahren nach vorne durchrauschte, zogen wir die Füße ein, und der Beifahrer machte die Tür auf, so daß das Wasser abfließen konnte.

Die Suche nach einem Taxi in strömendem Regen ist dann wieder eine andere Geschichte.

Es regnete noch bis heute Mittag, 168 Orte in Transkarpatien sind ohne Strom, die Schulen machten entweder ganz dicht oder ließen die Kinder nicht ohne Begleitung nach Hause, Oxana watete durch knietiefes Wasser in ihre Firma, anders war kein Reinkommen. Einige Internetcafes ohne Verbindung, schrecklich… Aber so langsam beruhigt sich das Wetter, und man kann sich wieder nach draußen trauen.
Am nächsten Tag in Radwanka, Uschhorod

von elya, 19.05.05
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Jungs in Uschhorod „Aber zurück zu dem Bild, das mir nicht aus dem Kopf geht: der kleine Junge, versunken in die Betrachtung des Flusses. Da drüben beginnt die Neue Welt.“
(Jurij Andruchowytsch, Mein Europa)